Aufgaben der DK-Rhein:
- Durchführung von Erfassungen vorhandener punktueller und diffuser Stoffeinträge und ihre Auswertung
- Harmonisierung und Umsetzung des Standes der Technik für bedeutsame Industriebereiche im Rheineinzugsgebiet
- Vorschläge für Empfehlungen von Maßnahmen zur Reduzierung von Stoffeinträgen
- Vorschläge für Empfehlungen zur Störfallvorsorge und Anlagensicherheit
- Zusammenarbeit mit der Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR)
Erfassung der punktuellen und diffusen Einleitungen:
Im Aktionsprogramm Rhein (APR) wurde u.a. festgelegt, dass die gesamten Einträge prioritärer Stoffe (des APR) im Zeitraum 1995 - 1995 um 50% reduziert werden sollte. Zum Schutz der Nordsee sollten die Einträge für Quecksilber, Cadmium und Blei sogar um 70 % reduziert werden. Zur Erfolgskontrolle des APR erfolgte für das Jahr 1996 für alle die prioritären Stoffe, die die Zielvorgaben noch nicht erreicht hatten, eine Bestandsaufnahme der punktuellen und diffusen Einleitungen. Hierbei wurden auch die Gesamt-Stickstoffeinträge aufgrund ihrer Bedeutung für den Nordsee-Schutz erfasst.
Die Erfassung erfolgte im gesamten Rheineinzugsgebiet unterhalb des Bodensees, jeweils in nationaler Verantwortung. Die diffusen Stoffeinträge wurden hierbei in Deutschland erstmalig nach einem für das gesamte Einzugsgebiet geltendem halbquantitativen Schätzverfahren erhoben.
Für die untersuchten organischen Mikroverunreinigungen wurde ein differenziertes Bild festgestellt. Die Mehrzahl der heute noch festzustellenden Einträge gelangen vorwiegend über diffuse Quellen in den Rhein. Austräge von Pflanzenschutzmitteln sind hier u.a. zu erwähnen.
Bei den Schwermetallen wurden auch 1996 noch vergleichsweise hohe Einleitungen in den Rhein festgestellt, obwohl die punktuellen Einträge um 72 - 95 % vermindert wurden. Hier bilden die Niederschlagswassereinleitungen, die über die Regenwasserkanäle der Trennkanalisationen oder über die Regenüberläufe zur Entlastung von Kläranlagen mit Mischwasserzufuhr mehr oder weniger ungereinigt in die Oberflächengewässer gelangen, eine wesentliche Quelle.
Die Erfassung der Punktquellen für das deutsche Rheineinzugsgebiet erfolgte für industrielle und kommunale Einleitungen. Bei den kommunalen Einleitungen werden die angeschlossenen Indirekteinleiter mit erfasst.
Die punktförmigen Emissionen im deutschen Rheineinzugsgebiet wurden vorwiegend dadurch reduziert, dass die auf der Grundlage des § 7a WHG mit der Einführung des Standes der Technik verabschiedeten bzw. revidierten Mindestanforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer in den branchenspezifischen Anhängen der Abwasserverwaltungsvorschriften bzw. der Abwasserverordnung umgesetzt worden sind. Für die Umsetzung der Anforderungen in die Einleitungsgenehmigungen vor Ort sind die Länderbehörden verantwortlich.
Ein weniger einheitliches Bild ergibt sich für die nicht punktförmigen (diffusen) Einleitungen. Diffuse Einleitungen sind Einträge von Stoffen, die über atmosphärische Deposition, Erosion, Dränage, Oberflächenwasserabfluss, Hofabläufe und Abdrift, die Schifffahrt oder im Falle von Niederschlagsereignissen über die Trennkanalisation oder die Regenabläufe der Mischkanalisation in die Gewässer gelangen. Die Reduzierung der Einträge erfordert die intensive Koordinierung verschiedener Politikbereiche.
Eine hervorragende Übersicht über die Entwicklung der Reduzierung der Emissionen im deutschen und im gesamten Rheineinzugsgebiet unterhalb des Bodensees hat sich infolge der Bestandsaufnahmen der InternationalenKommission zum Schutz des Rheins (IKSR) für die Jahre 1985, 1992 und 1996 ergeben. Die Bestandsaufnahmen stellen einen wichtigen Beitrag zur Erfolgskontrolle des "Aktionsprogramms Rhein" dar. Zusätzlich ergänzen sie die Überwachung der Einleitungen vor Ort durch eine Gesamtschau auf der Ebene des Flusseinzugsgebiets. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme 1996 für das deutsche Rheineinzugsgebiet lassen sich qualitativ in folgender Weise zusammenfassen:
- Die Stoffe bzw. Stoffgruppen Trichlormethan, Chloranilinie und AOX, deren punktuelle Einleitungen zwischen 1985 und 1996 bereits um mehr als 90% verringert wurden, werden hauptsächlich punktförmig eingeleitet.
- Ausschießlich aus diffusen Einträgen gelangen die Pflanzenschutzmittel-wirkstoffe Dichlorvos (10-50 kg/a), Parathion-ethyl (100-500 kg/a), Parathion-methyl (10-100 kg/a) und Trifluralin (100-500 kg/a) in die Gewässer. Bei den Tributylzinnverbindungen (500-1000 kg/a) stammen die Einleitungen zum größten Teil aus diffusen Quellen und bei Bentazon (500-1000 kg/a) ist der Anteil aus diffusen Quellen dominierend. Fenthion (10-40 kg/a) weist nur geringe Einleitungen zu etwa gleichen Teilen aus punktförmigen und diffusen Quellen auf.
- Für die Schwermetalle Quecksilber, Cadmium, Kupfer, Zink, Blei, Chrom und Nickel konnten die punktförmigen Einleitungen seit 1985 um 74-95% vermindert werden. Der Anteil an den diffusen Einträgen beträgt bei allen Schwermetallen inzwischen mehr als 50%.
- Die Einträge von Gesamtphosphor haben zwischen 1985 und 1996 im deutschen Rheineinzugsgebiet um 68% abgenommen. Dies ist vorwiegend auf Reduzierungen bei den industriellen und kommunalen Einleitungen im Rahmen der Einführung phosphatfreier Wasch- und Reinigungsmittel sowie der Phosphorelimination gemäß den Abwasservorschriften nach § 7a WHG zurückzuführen. Hierdurch hat sich der relative Anteil der diffusen Einleitungen, vorwiegend Einträge durch Erosion, aber auch Einträge aus Dränagen, Trennkanalisation und Regenüberläufen, auf ca. 54% erhöht.
- Die Reduktion der Einträge von Gesamtstickstoff gegenüber dem Jahr 1985 beläuft sich auf ca. 34%, die sich im Wesentlichen auf Reduzierung der Einträge aus punktuellen Quellen, insbesondere von industriellen Einleitungen, stützt. Trotz der großen Erfolge bei den punktförmigen Quellen wurde das Reduktionsziel von 50% für Stickstoff noch nicht erreicht. Die Stickstoffeinträge werden im deutschen Rheineinzugsgebiet von den diffusen Einträgen mit 53% der Gesamteinträge (ohne Berücksichtigung der Hintergrundbelastung) dominiert. Der größte Teil hiervor wird über Dränage und Grundwasser in die Gewässer eingebracht. Die langjährige Verzögerung zwischen den Reduzierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft und den Effekten auf die Einträge über Dränage- und Grundwasser in das Rheineinzugsgebiet hat zur Folge, dass die Schätzung dieser Einträge für die Überprüfung der Reduzierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft zu wenig exakt ist. Ein geeignetes, die aktuellen Eintragsanforderungen besser widerspiegelndes Instrument wäre zum Beispiel die Ermittlung der Änderungen der Nährstoffüberschüsse.
Die abgeschätzten Reduzierungen, die im Übrigen plausibel mit den gemessenen Frachten im Rhein sind, zeigen, dass im deutschen Rheineinzugsgebiet prozentual die diffusen Einträge insbesondere bei den Schwermetallen und den Nährstoffen an Bedeutung gewonnen haben. Reduktionsmaßnahmen zur Minderung der diffusen Einträge sind nicht nur im wasserwirtschaftlichen Bereich (z.B. Bau von Regenwasserbehandlungsanlagen und Regenüberlaufbecken sowie verstärkte Infiltration von unverschmutztem Regenwasser) sondern auch in anderen Politikbereichen, wie z.B. der Landwirtschaft (u.a. Abbau der Nährstoffüberschüsse, Verhinderung der Erosion, Reduktion des Eintrags von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen über Hofabläufe, Vermeidung schwermetallhaltiger Futter- und Düngemittel), dem Verkehr (Schifffahrt, Straßenverkehr), der Luftreinhaltung (atmosphärische Deposition) sowie die bau- und stoffbezogenen Bereichen (z.B. Reduzierung des Eintrags von Kupfer aus seiner Verwendung für Trinkwasserleitungen und Dächer) durchzuführen.
Zur Abschätzung der Stickstoff- und Phophoreinträge wurde im Rahmen der IKSR eine ausführliche Bilanzierung durchgeführt.
Ausblick
Trotz der erreichten Verbesserungen sind für viele Stoffe/Stoffgruppen die IKSR-Qualitätsziele noch nicht verwirklicht. 1999 wurde von der IKSR eine neue dynamische Stoffliste verabschiedet, zu denen im Jahre 2000 eine Bestandsaufnahme durchgeführt wurde, die zur Zeit in der Auswertung ist.
Maßnahmen
Bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Minderung von Stoffeinträgen können verschiedene Instrumente zum Ansatz kommen. Am Rhein werden zur Zeit folgende Instrumente geprüft:
- Umsetzung des Standes der Technik
- Ökonomische Instrumente
Umsetzung des Standes der Technik im deutschen Rheineinzugsgebiet
Im Rahmen der Arbeiten der Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) hat die DK-Rhein für das Jahr 1996 in den Bereichen
- Oberflächenbehandlung
- Herstellung von Zellstoff
- Herstellung von Papier und Pappe
- Organische Chemie
Oberflächenbehandlung
Im Bereich der Oberflächenbehandlung gibt es im deutschen Rheineinzugsgebiet ca. 100 Direkteinleiter und über 5100 Indirekteinleiter. Ca. 53 % dieser Betriebe sind im Einklang mit dem Stand der Technik. Probleme in diesem Bereich treten insbesondere im Rahmen der Umsetzung des Standes der Technik bei der innerbetrieblichen Vermeidung und Verminderung des Abwassers und des Einsatzes von gefährlichen Stoffen bei bestehenden Anlagen auf, da diese Maßnahmen in den Fertigungsprozess eingreifen:
- zusätzliche Standflächen erfordern, z.B. für Kaskadenspülsystem;
- die Trennung und Behandlung von Teilströmen notwendig machen;
- zu Qualitätverlusten bei Produkten führen können;
- die finanzielle Leistungsfähigkeit kleinerer Betriebe, z.B. Lohngalvaniken überfordern.
Die Maßnahmen zur Verringerung des Abwasseranfalls können zu einer verstärkten Aufsalzung des Abwassers führen, die eine Beeinträchtigung der Abwasserbehandlung zur Folge haben.
Herstellung von Zellstoff
Im deutschen Rheineinzugsgebiet existieren zwei Zellstoffhersteller: die SCA Hygiene Papier GmbH in Mannheim sowie die SCA Fine Paper GmbH in Stockstadt. Beide Betriebe arbeiten mit chlorfreier Bleiche und entsprechen dem Stand der Technik. Als zukünftige Maßnahmen sind weitere Kreislaufschließungen geplant.
Herstellung von Papier und Pappe
Im deutschen Rheineinzugsgebiet sind 38 Direkt- und 36 Indirekteinleiter vorhanden. Von diesen 74 Betrieben halten 71 den Stand der Technik ein, 3 Betriebe halten ihn nicht oder nur teilweise ein.
In diesem Bereich entwickelt sich der Stand der Technik z.Zt. in folgende Richtungen weiter:
- Einengung der Kreislaufführung bis zur vollständigen Schließung
- Installation von Säure-Eindampfungsanlagen
- Einführung der Biofiltration als letzte Behandlungsstufe
- Substitution von schwer abbaubaren Komplexbildnern, tensidhaltigen Chemikalien und Entschäumern
- Einsatz von epichlorhydrinarmen Nassfestmitteln und von chlorfrei gebleichtem Zellstoff
Organische Chemie
Im deutschen Rheineinzugsgebiet wurden 38 Direkteinleiter und 4 Indirekteinleiter erfasst. 85-90% dieser Betriebe halten den Stand der Technik völlig ein, bei 10 - 15 % ist der Stand der Technik teilweise realisiert. Technische Maßnahmen zur Fortentwicklung des Standes der Technik umfassen sowohl optimierte Vor- und Nachbehandlungsverfahren für das Abwasser als auch produktionsintegrierte Maßnahmen.
Ökonomische Instrumente
Auf der 11. Rhein-Ministerkonferenz in Bern wurde beschlossen, die Belastung des Rheins mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln stark zu reduzieren. Neben ordnungsrechtlichen Instrumenten sollen auch marktwirtschaftliche Instrumente dahin überprüft werden, ob sie bei der Durchsetzung dieses Zieles erfolgreich eingesetzt werden können. Eine Arbeitsgruppe hat sich im Rahmen der IKSR mit diesen Fragen befasst. Dabei zeigte sich, dass erhebliche Unterschiede in den Lösungsansätzen der einzelnen Mitgliedsstaaten zu verzeichnen sind. Es gibt aber erste Ansätze für Abgabenlösungen, die hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit näher zu prüfen werden.
Im Landwirtschaftsbereich helfen alle Maßnahmen gegen Erosion auch gegen Metalleinträge. Die Dränageabflüsse spielen vor allem beim Cadmium eine größere Rolle. Hier kann durch den Einsatz cadmiumarmer Phosphatdünger eine Minderung errreicht werden.
Bei den Nährstoffen führt vorrangig über Gülle ausgebrachter Stickstoff zu wasserwirtschaftlichen Problemen. Die derzeit ergriffenen Maßnahmen setzen deshalb in erster Linie bei der sachgerechten Ausbringung der Gülle auf die zur Verfügung stehenden Flächen an. Die maximale Ausbringungsmenge von Stickstoff aus Wirtschaftsdünger ist durch die Nitratrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft (Richtlinie 91/976/EWG) festgelegt. Ab 2003 sind grundsätzlich nur noch 170 kg Stickstoff je Jahr und Hektar zulässig. Für alle Stickstoffdünger gelten darüber hinaus die Grundsätze der guten fachlichen Praxis beim Düngen (z.B. Nährstoffbedarfsermittlung, Anwendung, Dokumentation), die in der Bundesrepublik Deutschland durch die DüngeVO konkretisiert werden. Durch eine eventuell gestufte Abgabe auf Wirtschaftsdünger und/oder Mineraldünger könnte das Ziel dieser Richtlinie unterstützt werden.
Störfallvorsorge und Anlagensicherheit
Nach den Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes sind Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen so aufzubauen und zu betreiben, dass eine Verunreinigung der Gewässer nicht zu besorgen ist. Die entsprechenden § 19 g ff WHG sind in den Bundesländern durch die Verordnungen über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (VAwS) konkretisiert und umgesetzt worden. Vergleichbare Regelungen fehlen in den anderen Rheinanliegerstaaten. Dort werden die Gewässerschutzaspekte i.d.R. bei der Umsetzung der Anforderungen nach Störfallrecht berücksichtigt.
Die Arbeitsgruppe Emissionen hat im Auftrag der Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) einen Überblick über die technischen, organisatorischen und gesetzlichen Regelungen in den Rheinanliegerstaaten bei Störfällen, die zu einer Verunreinigung des Rheins führen können, erarbeitet und eine mögliche Harmonisierung geprüft.
Als Ergebnis dieser Arbeiten sind folgende Empfehlungen zur Vermeidung von Gewässerschäden durch wassergefährdende Stoffe beschlossen worden:
- Definition wassergefährdender Stoffe
- Genehmigungsverfahren für störfallrelevante Anlagen
- Überfüllsicherungen
- Sicherheit von betrieblichen Rohrleitungen
- Zusammenlagerung
- Abdichtungssysteme für Auffangwannen und -räume
- Abwasserteilströme
- Umschlag
- Brandschutzkonzept
- Anlagenüberwachung
- Betriebliche Alarm- und Gefahrenabwehrplaung.
Diese Empfehlungen sind als Arbeitspapier der IKSR erhältlich.











Top
Druck